Die Fischaufstiegsanlage am Berkelwehr – wichtig für eine ökologisch intakte Berkel

Das Bild zeigt die Berkel im

Gewässer sind soweit wie möglich wieder so zu gestalten, dass Fische und andere Lebewesen der Gewässer in ihnen gewässerauf- und abwärts wandern können. Viele Fischarten sind in ihrem Lebenszyklus auf Wanderungen angewiesen. Bekanntes Beispiel ist der Lachs, der im Oberlauf von Gewässern aufwächst, ins Meer abwandert, um dann zum Laichen wieder in sein Aufwuchsgebiet hinaufzuwandern. Um das zu ermöglichen, müssen Gewässer „durchgängig“ sein bzw. wieder werden.

Das Berkelwehr ist im heutigen Zustand nicht durchgängig. Deshalb ist eine zentrale Maßnahme im Zuge der Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts, dass das Berkelwehr wieder für Fische durchgängig wird. Um den Höhenunterschied am Berkelwehr von ca. 2,70 m zu überwinden, wird eine rd. 265 m lange Fischtreppe oder Fischaufstiegsanlage gebaut. Sie beginnt auf der nördlichen Seite des neuen Berkelwehrs. Sie besteht aus einer Abfolge von naturnah gestalteten Becken, die wie eine Kaskade hintereinandergeschaltet sind. Die Fischtreppe endet kurz vor Einmündung Uferstraße/Am Losberg, wo die Fische wieder in den Berkel schwimmen können.

Eine Fischtreppe muss auf die im jeweiligen Fluss vorkommenden oder ökologisch bestimmenden Leit-Fischarten und ihre Anforderungen an Fließgeschwindigkeit des Wasser oder Wassertiefen angepasst sein. An der Berkel in Stadtlohn sind die Leitfischarten die Barbe, die Brasse, der Hecht und die Meerforelle. Die Fischaufstiegsanlage wird so bemessen, dass diese Fischarten an 300 Tagen im Jahr vom Unterlauf der Berkel durch die Fischaufstiegsanlage in den Oberlauf gelangen können. Für die Planung der Anlage bedeutet dies, dass ein Mindestabfluss von 0,5 m3/sek durch die Anlage sichergestellt werden muss. Bei der vorgesehenen maximalen Stauhöhe am Wehr von 45,50 m NHN beträgt der Abfluss durch die Anlage rd. 2,5 m3/sek.. Gleichzeitig darf die Fließgeschwindigkeit in den Becken der Fischaufstiegsanlagen jedoch 0,5 m/sek nicht übersteigen, weil die Fische sonst nicht mehr flussaufwärts schwimmen können. Diese und weitere Anforderungen müssen von den Planern genau aufeinander abgestimmt werden, damit die Fische später tatsächlich in Richtung Gescher schwimmen können. Um die aufwärts wandernden Fische davon abzuhalten, vor das Wehr zu gelangen und dort nicht mehr weiter schwimmen zu können, muss eine sog. Lockströmung im Auslaufbereich der Fischaufstiegsanlage vorhanden sein. D.h. durch entsprechend hohe Fließgeschwindigkeit des Lockstroms, der in einem Winkel von rd. 30 ° in die Berkel mündet werden die Fische zu den Becken der Fischaufstiegsanlage geleitet. 

Am oberen Ende der Fischtreppe können die Fische dann wieder in die Berkel gelangen. Dort wird am Berkelufer ein Betonbauwerk errichtet, durch das Berkelwasser in die Fischaufstiegsanlage fließen kann. An dieser Stelle quert die neue Berkelpromenade die Fischaufstiegsanlage mit einer Brücke.  Dieses Bauwerk wird bei sehr hohen Abflüssen in der Berkel bzw. bei Berkelhochwässern verschlossen. Grund sind die großen Sandmengen, die die Berkel bei Hochwasser mit sich führt. Würden die in die Becken der Fischaufstiegsanlage gelangen, würden sie sich dort absetzen und die ökologischen Verhältnisse in den Becken negativ beeinflussen. Nach Berechnungen der Planer wird die Fischtreppe an max. 30 Tagen im Jahr verschlossen.

Um den Erfolg der Fischaufstiegsanlage für die Fischfauna zu kontrollieren und um evtl. Korrekturen im Betrieb vornehmen zu können, findet eine regelmäßige Kontrolle der Fischwanderung durch Fachleute statt.

An den zwei neuen Brücken sowie von einem von der Berkelpromenade aus abgehenden Steg über die Fischaufstiegsanlage kann jeder zukünftig die Funktionsweise der Anlage und die Fische selbst beobachten.

Weiterführende Informationen:

Allgemeine Erläuterung

Handbuch Querbauwerke

Fischtreppe in Wikipedia

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